Erstellt am:21.06.2025- Zuletzt aktualisiert:23.07.2025
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist längst keine reine Kindheitsdiagnose mehr. Immer mehr Erwachsene suchen nach Wegen, ihre Symptome zu lindern – häufig nach schwierigen Erfahrungen mit klassischen Medikamenten. Medizinalcannabis bietet hier für viele Patient:innen neue Chancen. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Apotheke, insbesondere die Kommunikation zwischen Apotheker und Patient:in. Tobias Loder, erfahrener Apotheker, berichtet aus dem Alltag einer spezialisierten Cannabisapotheke und erklärt, warum der offene Dialog auf Augenhöhe für den Therapieerfolg so wichtig ist.
Ich bin der Tobias Loder. Ich bin Apotheker in Hürth. Seit dem Jahr 2000. Habe damals begonnen mit der Übernahme meiner der Apotheke, meiner Mutter, der Crystal Apotheke Rückblick. Und nachdem wir jetzt im Jahr 2004 eine Filiale eröffnet haben, die Apotheke Lux 99, haben wir im Jahr 2014 war es, glaube ich, einen ersten Patienten gehabt, der uns gefragt hat, ob wir ihn mit medizinischem Cannabis versorgen können.
Damals ging es uns um Können und um Wollen. Wir wollten und wir konnten. Das haben wir dann auch. Und dann ergab sich das so also über all die Jahre haben wir einfach immer sehr gut zugehört, was die Patienten von uns erwarten, wie wir ihn helfen können. Und es hat sich schlicht so entwickelt, dass wir dann in den letzten zehn Jahren uns so sehr auf Cannabis konzentriert haben, weil wir gemerkt haben, dass das, was da bedarf, da ist, dass die Kunden das brauchen.
Patienten, sehr kranke Menschen. Und deswegen sitzen wir heute in der in der Apotheke Lux 99 in der Cannabisapotheke. Was am Anfang genannt haben und haben uns jetzt wirklich sehr fokussiert und konzentriert auf die Versorgung von Patienten mit medizinischem Cannabis sind auch recht groß in Deutschland. Mittlerweile nicht aller Größen, aber doch sehr groß und sehr gut. Und darauf sind wir ganz stolz.
Ja. Okay, heilt hat recht. Also ich finde, wer heilt, hat recht. Das fand ich schon immer richtig. Und was bin ich? Was habe ich dem Patienten vorzuschreiben, was ihm hilft oder nicht hilft? Und wir? Wir hören ihm zu. Wir glauben ihm. Und wenn er sagt Das hilft mir, warum soll ich das in Abrede stellen? Also ich möchte auch nicht, dass man mir sagt, was mir hilft oder nicht hilft.
Wie komme ich denn dazu, jemandem zu sagen Ich glaube dir nicht, das ist nicht. Wenn du mir was erzählst, dann glaube ich das. Das ist ja wie bei normalen Arzneimitteln auch. Das heißt, wenn dürfen nur bei zugelassenen Arzneimittel Großhändlern kaufen, die ja auch nur zugelassene Ware verkaufen dürfen. Damit fängt er an, das heißt, es ist nichts Besonderes für uns.
Aber diese Händler sind neu. Die importieren ja überwiegend Ware aus dem nichteuropäischen Ausland. Das muss alles nach den Spielregeln hergestellt sein. Also gut, Manipulation Practices das hat hohe Anforderungen. Es sind Rezeptur, Ausgangsstoffe. Es sind ja keine Fertigarzneimittel. Das heißt wir müssen dann bei uns in Apotheke die Identität feststellen. Das heißt müssen prüfen Ist das, was wir kriegen? Ist das überhaupt Cannabis?
Das heißt, wir prüfen da auf ein oder zwei Inhaltsstoffe und dann geht das bei uns dann. Das ist dann der Schritt im Labor, Es ist ein Betäubungsmittel, Das heißt, wir müssen das sehr genau dokumentieren, also auf 1/10 Gramm. Genau. Wenn man so PI mal Daumen bei Tropfen ist da wieder was anderes oder bei Flüssigkeiten. Aber es wird schon sehr, sehr, sehr genau dokumentiert.
Man darf keinen Fehler machen. Das sind Betäubungsmittel. Die Bestände müssen stimmen. Ja, wir stehen ja unter Aufsicht von der Aufsichtsbehörde. Zu Recht. Die waren sehr kritisch am Anfang, was wir da alles machen, weil es eben etwas über das normale Maß hinausgeht. Einer normalen Apotheke. Deswegen war mir das so wichtig, dass wir das auf wirklich sehr hohem Niveau machen und tun das, wenn die Behörde kommt und prüft und guckt.
Am Ende steht ja dahinter und ich möchte keinen Ärger mit der Behörde haben, ist mein Beruf, ist meine Existenz. Deswegen war es mir von Anfang an wichtig, dass auf ganz sauber und ganz hochwertig und qualitativ hochwertig umzusetzen. Das kam dazu. Wir sind schon immer TÜV zertifiziert durch den TÜV Rheinland. Das der TÜV dann bei der einer Auditorium fragte, ob er nicht den Bereich Cannabis auch mit aufnehmen sollen, sodass wir glaube ich bis heute die einzige Apotheke sind in Deutschland, die durch den TÜV Rheinland nach der aktuellen Isonorm TÜV zertifiziert ist für die Versorgung von Cannabis Patienten und da gehört auch was zu.
Also das macht sicherlich nicht jede Apotheke und auch nicht der TÜV mit jeder Apotheke. Na ja, das fängt ja mit der Verordnung des Arztes an, das heißt der Arzt sucht er das Medikament aus. Und im Bereich Cannabis heißt das auch, er sucht die Sorte aus und die Stärke und da hat die Apotheke keinen Einfluss drauf und wir können auch nicht austauschen.
Es ist jetzt nicht über sechs Milligramm. Ist eines nicht lieferbar, dann nehmen wir das andere. Das mal ganz kurz so zu sagen, das geht beim Cannabis nicht. Es muss dann wirklich genau das sein. Und uns war wichtig, dass wir alles haben, das da und das hat sich auch so bewahrheitet. Und das ist sicherlich ein Teil unseres Wachstums, das jeder Arzt, jeder, jeder der sich damit auskennt, jeder Patient weiß bei uns in der Lux 99 wir haben jede Sorte vorrätig.
Alles, was es am Markt gibt, das haben wir. Das heißt, wir müssen nicht bestellen, dass es keinen, keine Mitarbeiterin, Mitarbeiter, der sich nicht auskennt, der nicht weiß, wonach er suchen soll oder wieder fragen soll. Also bei uns weiß jeder gleich viel. Wir haben alle Sorten da und das ist das, was ich. Was den Patienten aber natürlich total wichtig ist, dass er sich aufgehoben fühlt und sich nicht erklären muss und auch nicht erklären muss, was das ist und uns am Ende noch sagen muss, wo was herbekommen.
Das, das machen wir uns gut. Nicht jeder Patient freut sich, Apotheke zu gehen und zu diskutieren über Rabattverträge und über Preise. Das heißt, wir sind ja so losgelöst vom normalen Apothekenalltag. Hier geht es wirklich um den Patienten und seine Erkrankung und nicht um Preise, nicht um Rabattverträge. Es geht wirklich um die Erkrankung und die Therapie. Und das wäre das, wofür man es mal studiert hat und das, was wir ja auch wirklich wollen und da durch, weil das so gut klappt, macht uns natürlich stolz, macht uns das natürlich stolz.
Und wir hatten eine kleine Anekdote. Ja, ganz am Anfang, als es wirklich viel wurde, als wir noch in der normalen Apotheke tätig waren. Wir sind ja seitdem zweimal umgezogen und haben uns erweitert. Da stand man vor der Frage Machen wir jetzt weiter? Weil der Ansturm, kann man fast sagen, so groß ist? Oder versuchen wir, das hier so ein bisschen so zu deckeln und eine Mitarbeiterin sagte Nee, Tobias, mich ruft die Charite an aus Berlin und fragt mich um meine Meinung.
Da ist ein Patient. Folgende Symptome Diagnose Welche Sorte würden wir empfehlen? Und da fragt die mich und das gebe ich nie wieder her. Also für mich. Ich möchte, dass wir das weitermachen. Und das ist genau die Frage, auf die du abgezielt. Das macht uns das stolz. Natürlich macht uns das stolz, wenn deutschlandweit uns Ärzte und Kliniken und Professoren anrufen und fragen, wie wir das handhaben würden.
Na ja, ganz grundsätzlich kann man sagen Es wird den Ärzten einfacher gemacht, Verordnungen auszustellen und nicht schwieriger, einfacher. Das heißt ja für mich, es kann nur eine große Anzahl an Verordnungen geben. Also der Trend. Im Augenblick stagniert ja der Markt. Seit gut einem Jahr passiert nicht mehr so viel. Nach ziemlich wilden und starken Jahren ist gerade ein bisschen Ruhe und das wird wieder in den nächsten Schub geben.
Das wird jetzt nicht von heut auf morgen wird nicht explodieren. Aber grundsätzlich wird es den Ärzten einfacher gemacht, zu verordnen. Ich glaube auch, dass in der Gesellschaft, wenn es nicht mehr Betäubungsmittel ist, es wird ganz allgemein auch gedanklich so ein bisschen runtergestuft, glaube ich, von der MA, von Haben und Sagen, von Nerven. Na, wie nennt man es denn?
Schwere Bedrohung, Gefährlichkeit. Das wird sie ein bisschen verbreiten und ein bisschen aktiv, noch akzeptierter werden. Das heißt, die wir werden mehr zu tun bekommen wird mehr Patienten geben in nächster Zeit? Ja. Also ganz, ganz grundsätzlich ist Deutschland ja weltweit Vorreiter und sehr progressiv unterwegs, weil wir das einzige Land sind, wo die gesetzlichen Krankenkassen das bezahlen. In anderen Ländern sind das nur die privaten Krankenversicherung.
Also da übernimmt Deutschland eine Vorreiterrolle, muss man mal ganz klar sagen. Natürlich, besser geht immer, was uns sehr stört. Also sehr stört auch die Ärzteschaft, dass ein Patient auch therapiert sein muss, damit Cannabis angewendet werden darf. Und das ist natürlich sehr menschenverachtend. Also ich kann ja nicht einem armen Patienten, der eh schon krank ist, alles geben müssen, bevor ich mal Cannabis benutzen darf.
Das kann ja nicht sein. Also das muss weg, finde ich. Ist ja Genehmigungsvorbehalt und Antrag. Ich habe alles probiert, dem geht immer noch nicht besser. Jetzt kann ich Cannabis einsetzen. Das ist glaube ich falsch. Ich fände das gut, wenn das eine vollkommen akzeptierte Begleittherapie sein könnte im Bereich Schmerzatiker. Also da suche Behandlung nach Onkologie. Also weg von diesem Sonderstatus, sondern wenn der Arzt meint ja, das hilft, es verbessert das Leben des Patienten, dann sollte er das verordnen dürfen.
Jetzt gibt es ja im Augenblick den Ansatz, dass bestimmte Facharzt gruppen dann ausgenommen werden von den Genehmigungsvorbehalt. Ist ja ein Schritt in die richtige Richtung. Aber man weiß ja, wie schwierig es ist, ein Termin beim Facharzt zu bekommen. Also wird das auch nur verschlimmbessert. Ja, die dürfen verordnen ohne Genehmigungsvorbehalt. Aber wenn du irgendwo in der Eifel wohnst, wird man Facharzt, der dann auch noch verordnen möchte.
Also es ist im Grunde eine eine Verbesserung, aber ob das in der Praxis dann so viel besser werden wird, weiß ich nicht. Am Ende des Tages braucht der Arzt auch seine Therapiehoheit und muss es verordnen dürfen. Also dahin müssen wir kommen. Wir haben eine gefunden, wo der Patient im Mittelpunkt steht und nicht der Preis. Ich habe früher eine Versandapotheke betrieben, da ging es nur um den Preis.
Es war nur anonym, es war nur schnell billig. Und das ist furchtbar so, es geht um Arzneimittel, es geht um kranke Menschen und um Patienten. Und das finde ich toll, dass wir das für uns entdeckt haben. Gefunden und auch entwickelt haben, dass wir so arbeiten können. Das ist auch das, was uns antreibt, was unsere Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Mitarbeiter antreibt.
Dass wir uns ohne Warum? Wir hatten früher Center Apotheke, da war das alles anders. Da muss schnell und zack und noch Nasenspray und Zusatzverkauf, das gibt es ja hier alles nicht. Hier geht es um die Betreuung von echt schwer kranken Menschen und man hilft den und helfen tut gut.
ADHS ist keine Krankheit, die sich in ein starres Schema pressen lässt. Die Bandbreite der Symptome ist groß: Während manche Patient:innen vor allem unter innerer Unruhe und Konzentrationsproblemen leiden, stehen bei anderen Schlafstörungen, emotionale Überforderung oder Antriebslosigkeit im Vordergrund. Viele erleben eine Mischung aus allem – oft begleitet von einem Gefühl der Überforderung, das sich durch alle Lebensbereiche zieht.
Die klassischen Medikamente, meist auf Basis von Methylphenidat (wie Ritalin) oder Amphetamin-Derivaten, helfen zwar vielen, doch längst nicht allen. Häufig berichten Betroffene von Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Herzrasen, Stimmungsschwankungen oder einer „Wesensveränderung“. Manche fühlen sich durch die Medikamente wie „ferngesteuert“ oder verlieren ihre Spontaneität und Kreativität.
Gerade diese Erfahrungen führen dazu, dass immer mehr Menschen nach Alternativen suchen – und dabei auf Medizinalcannabis aufmerksam werden.
Für viele Patient:innen, die sich nach Jahren klassischer Therapie erstmals mit Medizinalcannabis beschäftigen, ist der Schritt in die Apotheke von Unsicherheit geprägt. Die Vorurteile sind groß: Wird man ernst genommen? Ist Cannabis nicht nur ein „letzter Ausweg“ oder gar gefährlich? Kann es wirklich helfen, wenn andere Medikamente versagen?
Tobias Loder, Apotheker und Experte für Cannabistherapie, begegnet diesen Fragen mit Offenheit und Empathie. „Viele unserer Patient:innen kommen nach langen Leidenswegen zu uns. Sie haben viel ausprobiert, oft mit wenig Erfolg. Das Wichtigste ist, zuzuhören und gemeinsam zu schauen, was wirklich hilft.“
Loder betont, dass die Erfahrungen der Patient:innen im Mittelpunkt stehen. „Wer heilt, hat recht. Es steht mir nicht zu, Patient:innen vorzuschreiben, was ihnen hilft. Unsere Aufgabe ist es, zu begleiten, zu beraten und Sicherheit zu geben.“
Die Versorgung mit Medizinalcannabis ist komplexer als bei vielen anderen Arzneimitteln. Das beginnt bei der Auswahl der richtigen Sorte und reicht bis zur exakten Dokumentation jeder Abgabe. Tobias Loder erklärt: „In der Apotheke wird ausschließlich geprüfte und zugelassene Ware verarbeitet. Jeder Schritt – von der Identitätsprüfung der Blüten bis zur exakten Dokumentation – ist streng geregelt.“
Für Patient:innen bedeutet das: Sie können sich auf die Qualität und Sicherheit der Produkte verlassen. Die Apotheke ist nicht nur Ausgabestelle, sondern auch ein Ort, an dem Unsicherheiten geklärt und Fragen offen gestellt werden dürfen. „Gerade bei neuen Patient:innen nehmen wir uns viel Zeit, erklären die Unterschiede der Präparate und helfen bei der Auswahl der passenden Darreichungsform“, so Loder.
Die Vielfalt der Präparate – von Blüten mit verschiedenen THC- und CBD-Gehalten über Extrakte bis hin zu Kapseln oder Tropfen – ermöglicht eine individuelle Anpassung an die Bedürfnisse der Patient:innen. Die Beratung ist dabei entscheidend: Welche Sorte passt zu den Symptomen? Welche Einnahmeform ist im Alltag praktikabel? Wie lässt sich die Dosierung optimal einstellen?
Ein zentrales Element in der Cannabistherapie ist die offene Kommunikation. Tobias Loder schildert, wie wichtig es ist, die individuellen Erfahrungen und Wünsche der Patient:innen ernst zu nehmen – unabhängig davon, ob diese mit klassischen Medikamenten oder Medizinalcannabis gemacht wurden.
„Wenn jemand berichtet, dass Cannabis hilft, dann nehme ich das ernst. Es geht nicht darum, zu urteilen, sondern gemeinsam die bestmögliche Therapie zu finden.“ Diese Haltung fördert das Vertrauen und die Therapietreue – wichtige Faktoren für den Behandlungserfolg bei ADHS.
Patient:innen berichten häufig, dass sie sich durch diese wertschätzende Haltung erstmals wirklich verstanden fühlen. „Ich hatte das Gefühl, endlich nimmt sich jemand Zeit für mich und meine Probleme“, erzählt eine Patientin. „In der Apotheke wurde ich nicht verurteilt, sondern ernst genommen.“
Die Wirkung von Medizinalcannabis ist bei ADHS – wie bei anderen Indikationen – sehr individuell. Während manche Patient:innen von mehr Ruhe und Gelassenheit berichten, erleben andere eine gesteigerte Konzentration oder mehr Energie. Deshalb ist es entscheidend, regelmäßig Rückmeldung zu geben und gemeinsam zu prüfen, ob die gewählte Sorte, Dosierung oder Darreichungsform weiterhin optimal passt.
Die Apotheke übernimmt dabei eine vermittelnde Rolle zwischen Patient:in und Ärzt:in. „Wir stehen im engen Austausch mit den verschreibenden Ärzt:innen und geben Rückmeldung, wenn Anpassungen nötig sind“, so Loder. „Unser Ziel ist es, dass sich Patient:innen gut begleitet fühlen – auch, wenn im Therapieverlauf Veränderungen notwendig werden.“
Regelmäßige Gespräche, Dokumentation der Erfahrungen und ein offener Umgang mit Nebenwirkungen oder Unsicherheiten sind dabei unerlässlich. Die Therapie mit Medizinalcannabis ist kein statischer Prozess, sondern ein Weg, der gemeinsam gegangen wird.
Trotz wachsender Akzeptanz gibt es immer noch viele Vorurteile gegenüber Medizinalcannabis – sowohl im privaten Umfeld als auch bei Behörden oder im Berufsleben. Patient:innen berichten von skeptischen Blicken, unangenehmen Fragen oder dem Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen.
Die Apotheke kann hier eine wichtige Rolle spielen, indem sie aufklärt, Unsicherheiten nimmt und Patient:innen unterstützt. „Wir geben unseren Patient:innen alle notwendigen Unterlagen mit, beraten sie zum Umgang mit Behörden und stehen auch bei Fragen zur Verkehrstüchtigkeit oder zu Drogentests zur Seite“, erklärt Loder.
Auch im Kontakt mit Ärzt:innen gibt es manchmal Unsicherheiten. Nicht alle Mediziner:innen sind mit der Cannabistherapie vertraut oder stehen ihr offen gegenüber. Hier kann die Apotheke als Vermittler auftreten und Informationen bereitstellen, um die Zusammenarbeit zu erleichtern.
Viele ADHS-Betroffene berichten, dass sie erst durch die Kombination aus ärztlicher Begleitung und der empathischen Beratung in der Apotheke den Mut gefunden haben, die Cannabistherapie auszuprobieren. Die Erfahrungen sind vielfältig:
Diese individuellen Erfolge zeigen, wie wichtig eine offene, vertrauensvolle Begleitung ist – und dass Medizinalcannabis für viele eine echte Alternative darstellen kann.
Ein wichtiger Aspekt der Cannabistherapie ist die Wahl der passenden Darreichungsform. Tobias Loder erklärt: „Die meisten Patient:innen beginnen mit Blüten, die entweder vaporisiert oder in seltenen Fällen als Tee zubereitet werden. Für manche ist aber ein Extrakt oder eine Kapsel die bessere Wahl – zum Beispiel, wenn eine genaue Dosierung oder eine diskrete Anwendung im Alltag gewünscht ist.“
Die Beratung zur Darreichungsform ist individuell: Welche Symptome stehen im Vordergrund? Wie sieht der Tagesablauf aus? Gibt es Vorerkrankungen oder andere Medikamente, die beachtet werden müssen? „Wir nehmen uns Zeit, um gemeinsam die beste Lösung zu finden“, so Loder.
Die Qualitätssicherung bei Medizinalcannabis ist streng geregelt. Jede Charge wird auf Identität, Reinheit und Gehalt an Wirkstoffen geprüft. Tobias Loder betont: „Wir beziehen unsere Ware ausschließlich von zugelassenen Großhändlern und prüfen jede Lieferung im Labor. Die Dokumentation ist sehr genau, gerade weil es sich um ein Betäubungsmittel handelt.“
Patient:innen können sich darauf verlassen, dass sie ein sicheres, geprüftes Produkt erhalten – im Gegensatz zu Cannabis aus nicht kontrollierten Quellen. Auch im Hinblick auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder individuelle Unverträglichkeiten ist die Beratung in der Apotheke unerlässlich.
Die enge Zusammenarbeit zwischen Apotheke und verschreibenden Ärzt:innen ist ein zentrales Element für den Therapieerfolg. Tobias Loder berichtet, dass viele Ärzt:innen sich inzwischen offen für die Cannabistherapie zeigen – besonders, wenn klassische Medikamente nicht ausreichend helfen oder zu starke Nebenwirkungen verursachen.
Die Apotheke übernimmt eine beratende und vermittelnde Rolle: „Wir informieren Ärzt:innen über neue Präparate, geben Rückmeldung zu Erfahrungen der Patient:innen und unterstützen bei der Dokumentation.“ So entsteht ein Netzwerk, das Patient:innen Sicherheit und Kontinuität bietet.
Die Therapie mit Medizinalcannabis ist kein Allheilmittel – das betonen sowohl Apotheker:innen als auch Ärzt:innen immer wieder. Sie kann aber für viele Patient:innen mit ADHS eine wichtige Alternative oder Ergänzung sein, insbesondere wenn klassische Medikamente nicht helfen oder zu starke Nebenwirkungen verursachen.
Die größten Herausforderungen liegen in der individuellen Dosierung, der Auswahl der passenden Sorte und der kontinuierlichen Begleitung. Gleichzeitig bietet die Therapie Chancen: Mehr Lebensqualität, weniger Nebenwirkungen und das Gefühl, selbstbestimmt den eigenen Weg zu gehen.
Die Versorgung mit Medizinalcannabis wird in Deutschland zunehmend professioneller. Neue Leitlinien, wachsende Erfahrung und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Ärzt:innen, Apotheker:innen und Patient:innen tragen dazu bei, die Therapie sicherer und effektiver zu machen.
Tobias Loder wünscht sich, dass die Entstigmatisierung weiter voranschreitet: „Cannabis ist ein Medikament wie jedes andere. Unsere Aufgabe ist es, Patient:innen bestmöglich zu begleiten – mit Offenheit, Fachwissen und Empathie.“
Die Versorgung mit Medizinalcannabis bei ADHS erfordert nicht nur medizinisches Fachwissen, sondern vor allem Zuhören, Vertrauen und eine offene Kommunikation. Apotheker:innen wie Tobias Loder schaffen durch Transparenz und individuelle Beratung die Basis für eine erfolgreiche Therapie. Patient:innen profitieren von einer Betreuung, die ihre Erfahrungen ernst nimmt und sie auf ihrem Weg begleitet – Schritt für Schritt zu mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung.
Wir helfen Ihnen dabei, die Therapie mit Medizinalcannabis so einfach wie möglich zu starten. So kommen Sie zu Ihrem individuellen Therapieplan.
Wir haben Ihnen einige qualifizierte Telemedizinplattformen ausgesucht, damit Sie die medizinische Cannabistherapie starten können. Sie können auch zu einem Humanmediziner:innen einer Humanmedizinerin gehen, um sich beraten zu lassen. Mit dem Button gelangen Sie zur Ärzt:innensuche in Deutschland.
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In Foren und Selbsthilfegruppen teilen viele ihre Erfahrungen. Die Berichte sind sehr unterschiedlich – manche profitieren deutlich, andere weniger. Besonders bei Unruhe und Schlafproblemen zeigen sich oft positive Effekte. Jeder Mensch reagiert anders. Lesen Sie hier Beiträge von ADHS PatientInnen, die von ihren Erfahrungen berichten.
Es gibt verschiedene Darreichungsformen von Medizinalcannabis, wie die Inhalation oder die orale Aufnahme über Öle oder Kapseln. Ihr Arzt/ihre Ärztin erstellt einen individuellen Therapieplan für Sie. Auch die Dosierung wird im Therapieverlauf auf sie eingestellt. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt/ihrer Ärztin, welche Form am besten für Sie geeignet ist.
Patient:innen mit ADHS berichten von weniger Nebenwirkungen als mit konventionellen ADHS-Medikamenten. Einige berichten von einer positiven Wirkung auf Symptome wie Hyperaktivität und Impulsivität unter Medizinalcannabis.7
7 Stueber A, Cuttler C. Self-Reported Effects of Cannabis on ADHD Symptoms, ADHD Medication Side Effects, and ADHD-Related Executive Dysfunction. J Atten Disord. 2022 Apr;26(6):942-955. doi: 10.1177/10870547211050949. Epub 2021 Oct 11. PMID: 34632827.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind u. a. anfängliche Müdigkeit, Schwindel oder trockener Mund.6 Die meisten Nebenwirkungen treten zu Beginn der Therapie auf und lassen mit der Zeit nach. Durch eine ärztliche Begleitung und individuelle Dosierung können die Nebenwirkungen minimiert werden. Bei Unsicherheiten sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin.
6 Bar-Lev Schleider L, Mechoulam R, Sikorin I, Naftali T, Novack V. Adherence, Safety, and Effectiveness of Medical Cannabis and Epidemiological Characteristics of the Patient Population: A Prospective Study. Front Med (Lausanne). 2022 Feb 9;9:827849. doi: 10.3389/fmed.2022.827849.
Sie sind nicht verpflichtet, von Ihrer Therapie zu erzählen, solange Ihre Leistung nicht beeinträchtigt wird. Medizinalcannabis zur Behandlung zahlreicher Symptome wird gesellschaftlich zunehmend akzeptiert. Ein offener Austausch hilft meistens dabei, Vorbehalte und Fragen zu Medizinalcannabis zu klären.