Medizinalcannabis in der Schmerztherapie und bei ADHS: Neue Perspektiven aus ärztlicher Sicht

Erstellt am:21.06.2025- Zuletzt aktualisiert:23.07.2025

Chronische Schmerzen und ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) sind zwei Krankheitsbilder, die das Leben vieler Menschen tiefgreifend beeinflussen. Beide Erkrankungen bringen erhebliche Einschränkungen im Alltag mit sich und sind häufig von langen Leidenswegen geprägt. Die klassische Schmerztherapie – oft mit Opioiden, Antidepressiva oder Antikonvulsiva – stößt bei vielen Patient:innen an ihre Grenzen. Nebenwirkungen, Abhängigkeit und eine sinkende Lebensqualität sind keine Seltenheit.

In den letzten Jahren rückt Medizinalcannabis als ergänzende oder alternative Therapieoption immer mehr in den Fokus. Dr. Matthias Giesel, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, berichtet aus seiner täglichen Praxis, wie Medizinalcannabis insbesondere für Patient:innen mit chronischen Schmerzen und ADHS eine wertvolle Ergänzung sein kann.

Dr. Matthias Giesel im Blauen Kittel steht in einem modernen Behandlungszimmer und spricht über Medizinalcannabis.

  • Medizinalcannabis kann chronische Schmerzen und ADHS-Symptome lindern
  • Weniger Nebenwirkungen als klassische Schmerzmittel und Opioide
  • Individuelle Einstellung und ärztliche Begleitung sind entscheidend
  • Verbesserte Lebensqualität und Teilhabe am Alltag
  • Stigmatisierung bleibt eine Herausforderung, Aufklärung ist wichtig

Genau. Also, mein Name ist Dr. Matthias Giesel. Ich bin Anästhesist. Von Hause aus. Bin jetzt hier seit 2016 im Marinekrankenhaus Soest und in dem Fonds in der Praxis für Schmerztherapie als Schmerztherapie tätig. Leite die Schmerzt den Schmerzbereich und leite die Palliativstation, bin aber verantwortlich, mache aber nebenbei auch noch Anästhesie und Intensivmedizin. Im Rahmen der Gesamtabteilung. Ja, ich muss fairerweise sagen, ich Schmerztherapie war eigentlich gar nicht so das Gebiet, wo ich gerne hinwollte, sondern ich bin eigentlich geboren, komme aus dem Rettungsdienst, habe auch im Ausland gearbeitet, im Rettungsdienst, in England, war quasi in, also auf den Malediven, auf den Seychellen tätig als Tauchmediziner und bin dann quasi über Dortmund, war dann lange an der Uni einer Marina Spital

in Herne an der Uniklinik Bochum. Habe da meine Ausbildung gemacht, habe meinen Facharzt gemacht, habe die Zusatzbezeichnung Palliativintensiv, Notfallund Schmerztherapie gemacht und bin dann quasi über einen kurzen Stopp im Sauerland hier in Soest gelandet. Durfte mich hier voll verwirklichen, durfte die die Klinik war sie haben die neu strukturiert. Es gab schon immer Schmerztherapie. Es gab auch schon immer ein invasiv US Spektrum, also haben schon immer invasive Schmerztherapie oder minimalinvasive Schmerztherapie gemacht.

Wir haben dann den Spektrum der multimodalen Schmerztherapie extrem ausgebaut. Wir haben eine neue Klinik seit 2018 mit 15 stationären Betten und haben sieben Palliativ betten. Die Station oben ist nigelnagelneue Kletterwand, alles, was man so will, was man als Schmerztherapie will. Und da bin ich quasi dabei dann auch geblieben. Das hat mir immer Spaß gemacht. Hab dann so nebenbei alles, was so mit dem Thema Schmerz zu tun hat.

Habe noch die manuelle Chirotherapie, manuelle Therapie, Physiotherapie, Ausbildung gemacht und habe jetzt auch noch den Sportmediziner, so dass man so ein bisschen das Spektrum sowohl von der Invasivität minimal invasiv multimodale Schmerztherapie, medikamentöse konservative Schmerztherapie eigentlich abdeckt. Und jetzt kam ab diesem Jahr ab Oktober was. Jetzt haben wir quasi hier dazu setzt jetzt auch um die ambulante Versorgung noch zu optimieren, haben wir jetzt das gegründet ist auch neu hier am Standort.

Das sind jetzt die nigelnagelneuen Räumlichkeiten, so dass wir quasi das Spektrum jetzt nicht nur stationär, sondern auch ambulant voll abdecken. Eigentlich nicht, wenn ich ehrlich bin. Ich habe immer gedacht früher so, dass so Notfallmedizin, Anästhesie mir eigentlich mehr liegt, weil ich wollte immer schon immer so ein bisschen im Krankenhaus eigentlich also schon immer eigentlich Krankenhaus Setting das, was ich eigentlich wollte.

Aber dann ist es so, dass man so ein bisschen in dieses Spektrum reinrutscht und dann auch ich konnte ganz gut mit Patienten reden. Man kann sich ganz gut in die Krankengeschichten reindenken und dann ist man da so ein bisschen hängengeblieben und dann hat man so ein bisschen Händchen entwickelt wie. Ich magister auch dieses manuelle dabei, dass man die Patienten jetzt ganz gut anfassen, von A bis Z betreut.

Das ist eine Anästhesie. Kommt das manchmal ein bisschen kurz, weil man doch eher der Dienstleister ist. Und so bin ich da hängengeblieben. Also es ist keine Passion, Man sagt aber, man ist eher so ein bisschen Opfer seines Erfolgs. Es macht halt Spaß, die Patienten sind zufrieden und dann bleibt man dabei. Und dann hat sich das entwickelt. Und jetzt?

Mittlerweile ist das ein fester Bestandteil und ich will es eigentlich auch nicht mehr missen. Also ich habe, ich habe kein Helfersyndrom. Also es ist jetzt nicht so, dass ich quasi sage, dass man das in meiner Freizeit alles mögliche aufopfern würde um Patienten. Das ist auch der falsche Ansatz. Aber ich glaube, gerade Schmerzpatienten sind schon ziemlich. Also die sind schon ziemlich gebeutelt und mit der Mischung, mit der Palliativmedizin, also zum Beispiel jetzt mal Spektrum des Palliativpatient, das das einzige Mal in der Medizin, dass wir wirklich das tun, was die Patienten wollen.

Ansonsten versuchen wir immer, irgendwas zu verkaufen im Sinne von ja, der Eingriff muss gemacht werden, damit sie besser geht. Das tut aber immer irgendwie auf und ist immer unangenehm, kann aber ja einen Haken haben oder sich ballern lassen. Und das ist bei Palliativ patienten anders. Das ist eine hohe Wertschätzung, die man dann auch erfährt. Und bei den Schmerz, also das ist dann so ein bisschen bei den Schmerzpatienten auch so, wenn man sich gut kümmert, die sind häufig, fallen die hinten runter.

Im Gesundheitssystem werden häufig links liegen gelassen, haben viele Hürden zu bekämpfen, auch mit den Krankenkassen, kriegen ihre Hilfsmittel nicht, haben viele Probleme da auch irgendwie, ich will mal sagen verstanden zu werden. Und von der Warte macht das Spaß. Wenn die dann zufrieden sind und man denen helfen kann, ein bisschen begleiten kann. Meist behält man sie lange als Patienten.

Also es ist nicht so einmal ein kurzer Kontakt wie ein Hausarzt zum Beispiel, der jetzt vielleicht was weiß ich, grippalen Infekt, aber jungen Patienten behandelt er sie, die einmal, was weiß ich und dann lange nicht mehr. Da, sondern es genau wie über Tumorpatienten auch Schmerzpatienten, Patienten, die man lange behält. Die ersten Berührungspunkte hat man an der Uni. Das war auch vor 2017, also bevor diese Zulassung kam.

Dass das quasi als Arzt einem Arzneimittel oder als Rezeptur Arzneimittel mehr oder weniger so langsam in den Gesundheitsmarkt drückte, haben wir das bei Palliativpatienten eingesetzt? Schon immer oder schon lange. Und man konnte aber nicht so richtig. Also ich finde es etwas schwierig, Effekte dem Cannabis zuzuordnen, aber wir haben es halt immer schon eingesetzt, wenn man ihr Nebenwirkungsspektrum also erfassen können, ob es gut vertragen wird etc. Und dann kam ab 2017 war ja der was quasi die Zulassung, dass man es jetzt in Einzelfällen verschreiben darf und dann haben wir ein riesen Run auf die auf das Medikament.

Ja, kam gar nicht von uns. Wir wollten das eigentlich gar nicht. Also wir sind tatsächlich. Wobei man fairerweise sagen muss Medikamentös ist die Schmerztherapie seit Jahren gleichbleibend. Es gibt keine neuen Substanzen, es gibt keine neuen Verabreichungsformen von der Tat war Cannabis dann schon ein neues Spektrum, was noch mal aufgemacht wurde. Aber eigentlich waren wir so ein bisschen, sind immer noch im Saft geschwommen und haben gar nicht so den Druck gesehen jetzt, weil eigentlich alle Medikamente nie 100 % gut wirkten.

Und dann kamen die Patienten, haben dann gesagt, die wollen es auch haben und es probieren und dann fängt man an damit. Am Anfang stellt man sich so ein bisschen den Hürden, man probiert es aus und man sieht doch erstaunliche Erfolge. Es ist kein Wundermittel, es ist auch nur ein Reserve Medikament. Nach wie vor ist es nicht jetzt. Nein, das glaube ich nicht.

Das wird es auch. Den Stellenwert wird es auch nicht bekommen. Aber es ist für viele Patienten oder für einige Patienten eine extreme Erleichterung. Wir haben so eine Drittelregelung, also was man so in der Praxis sieht, Wir haben 30 %, die wirklich sagen, es ist bahnbrechend, es verändert fast alles, Lebensqualität wird besser, schlafe besser, Schmerz wird deutlich, dumpfer. Dann haben wir so 1/3.

Die sagen Na ja, ich will es nicht mehr missen, aber wir als Therapeuten sehen so ein bisschen, Na ja, Opiate werden weiter genommen. Also irgendwie ist ja jetzt trotzdem. Aber er wird jetzt nicht arbeitsfähig dadurch und so was. Das sehen wir schon. Aber die Patienten wollen es ja gerne haben. Dann mal 1/3, die wirkt so überhaupt nicht. Und bei denen muss man auch, das ist auch klar, das rauszukriegen.

Die dürfen es dann auch nicht bekommen oder sollten es nicht bekommen. Wir kämpfen so ein bisschen in der Cannabis Szene, ja, mit diesem Markt. Das ist eigentlich auch die Haupthürde, weil wir immer so ein bisschen in so einen, in so eine Schublade gesteckt werden und da müssen wir raus und das ist so ein bisschen eine Passion geworden. Ich habe schon immer damit beschäftigt, fand das spannend und auch durch diese ganze Vortragswesen, was wir so haben, dass wir uns mit dem Thema beschäftigen, auch für die Firma referieren und uns auch viele Patienten Kontakte haben, wird man dann so ein bisschen.

Also kriegt man, glaube ich, ganz gut einen Blick dafür, wer dafür geeignet ist, man ja nicht und wo man ein bisschen aufpassen muss. Also das erste, was man immer hört, es kann dann die wollen ja eigentlich nur kiffen auf Rezept. Wir setzen tatsächlich 99 % an Medikamenten voll Extrakte ein. Das heißt, wir haben überhaupt gar nichts mit dem Kiffer Markt an sich zu tun.

Ähm, ich sag mal so Vorbehalte sind immer. Es ist halt schwierig, das durchzukriegen bei der Krankenkasse. Das Antragswesen ist immer eine Hürde, die tatsächlich zu gerade eine Hausarztszene zu sehr viel Unfrieden führt. Dementsprechend sind Therapien, die wir begonnen haben, die wir nicht beenden können werden, häufig. Dann also musste man dagegen ankämpfen, so ein bisschen die Hausärzte mitnehmen, muss so viele Schulung machen, dass die sich das auch zutrauen, quasi das nachher weiter fortzuführen.

Jetzt mit der Praxis wird es einfacher, weil wir es quasi selber fortführen können. Im ärztlichen Markt wird es ein bisschen belächelt, zum Teil für die, die keine Ahnung davon haben. Also die wird es häufig so, dass Cannabis so ein bisschen na ja, man kämpft halt mit den Vorurteilen der vergangenen Jahre. Es ist halt, wie gesagt, so ein bisschen dient halt eher es halt wird schon noch als Droge gesehen.

Mittlerweile haben wir fast alle Fachrichtungen auch hier im Krankenhaus überzeugt und auch wir haben immer wieder Indikationen. Gerade unsere Neurologen sind sehr begeistert davon. Und wie gesagt, man muss die Indikation kritisch stellen. Es ist ein Reserve Medikament, das heißt die kommen, die kriegen das nicht, die müssen immer lange, lange vorher schon eine Krankengeschichte eigentlich haben, so dass man wirklich sagen kann, die Standardtherapie funktioniert nicht gut.

Also das probieren wir immer vorher aus. Und wenn dann ein Kandidat ist, dann probieren was. Wir probieren es dann auch häufig einfach aus. Und wenn ja, dann sagt das es gut. Dann gibt es auch keinen Grund nicht dafür zu kämpfen, dass er das bekommt. Das schöne daran also Cannabis selber wirkt ja über einen eigenen Regulator Kreislauf den wir haben einen Regelkreislauf.

Das Endok kann damit System. Und das ist noch mal zusätzlich zu dem Opiatsystem, was wir im Körper haben, das heißt, wir haben eine ganz andere Angriffsstelle für Medikamente. Dementsprechend kann man auch nicht sagen, die Leute, die viele Opiate haben, bei denen wird Cannabis auch gut oder anders rum, sondern es ist wirklich ein ganz anderer Ansatz. Wir haben verschiedene Substanzen in der.

In der Pflanze selber ist es quasi es gibt immer das THC, es gibt immer CBD, es gibt zig Zusatzstoffe, die eine Rolle spielen, wo wir einfach noch gar nicht genau wissen. Also da ist die Forschung noch relativ weit entfernt davon, dass man wirklich jede einzelne Substanz der der Pflanze quasi zuordnen kann, was die eigentlich macht. Es wirkt im Endeffekt über diesen Regulator Kreislauf.

Ich beschreibt es immer so, wenn man Cannabis erklären will. Es reguliert die Hypostase des Körpers wieder auf das Normallevel runter. Das heißt, wir haben bei vielen Schmerzpatienten, um mal bei dem Beispiel zu bleiben, dann hochgefahren. Schmerzsystem, Schmerzgedächtnis. Solche Begriffe fallen dann immer, das heißt, das sind ja nur homogene Entzündungssprozesse, die einfach dafür führen, dass die Schmerzen immer deutlicher wahrgenommen werden und das Cannabis schafft es, das wieder auf das Normalmaß runter zu regulieren.

Es ist kein Mittel, was man in Akut Schmerztherapie einsetzt. Man wird jetzt nicht einen Schmerz nach einem Trauma, wenn man zu einem Verkehrsunfall wird, man mit Cannabis nicht behandeln können, aber es reguliert und das reguliert hochgefahren Systeme und das ist eigentlich die Hauptstärke. Es hat einen Effekt additiv zum. Zu den Opiaten. Das heißt, ich kann in der Regel immer Opiate einsparen, wenn ich Cannabis parallel einsetze.

Und es hat einen immunmodulatorischen Effekt, das heißt die Entzündung sprozess im Körper, zum Beispiel bei MS, bei Rheuma etc.. Morbus Bechterew, diese Erkrankung, diese Erkrankungen sind sehr gut mit mit Cannabis behandelt. Also ein spezielles CBD eigentlich als Hauptwirkstoff spielt da eine Rolle. Und das, was wir eigentlich nicht wollen, diese Psychoaktivität, was über den Dopaminkreislauf läuft, das ist eigentlich das, was wir in der Medizin gar nicht brauchen.

Und deswegen ist eine Cannabis einstellung hat immer was damit zu tun, dass wir unterhalb dieser Schwelle bleiben. Wir wollen keine Patienten haben, die heißen, die den Kick Effekt haben. Das wollen wir gar nicht. Die sollen das wie eine Medikation nehmen. Die Sonne Linderung haben, sollen aber völlig funktionsfähig bleiben. Und wenn man jetzt mal im Vergleich zu den Opiaten guckt, sieht man schon, dass Opiate häufig schwinde.

Die werden Wesens verändert, die fahren sich zurück, die werden Antriebs gemindert und wenn die man, wenn man die umstellt auf Cannabis, dann hat man häufig das Gefühl, dass sie sagen also ich bin viel wacher, ich bin viel klarer, ich kann viel mehr meinen Lebensalltag auch meistern. Und da liegt, glaube ich, auch eine der Hauptstärken. Die therapeutische Breite von Cannabis ist wahnsinnig gut.

Also es ist super. Sicher, man kann sich damit nicht umbringen, da muss man schon viel machen. Das ist bei Opiaten ganz anders. Denken Sie an die Oxycodon Krise in der USA, gerade wo viele Pharmahersteller ja quasi rausgehen aus dem Markt der Opiate, weil einfach so viele im Drogensumpf versumpfen und viele Leute auch ein Abhängigkeitspotenzial entwickeln und sich dann halt auch in den Suizid oder überdosieren und dann sterben.

Das ist alles beim Cannabis nicht so, muss man sagen. Und von der Macht, das ist eine Substanz, die sehr, sehr viel Potenzial hat. Also ich würde es immer rezeptpflichtig lassen, ganz ehrlich. Also von mir aus können ich ich habe zu dieser Diskussion Legalisierung von Cannabis. Also ich glaube wir machen uns den Markt Medizin der Medizin damit ein bisschen kaputt.

Das sieht man in Holland, da ist es relativ schwierig Medizinal Cannabis zu bekommen, weil es halt frei verkäuflich ist. Ich glaube, dass wir eher. Also das Problem ist immer zwischen dem Freizeitmarkt und der Medizin ist immer, wir wollen in der Medizin Präparate, die auch in fünf, in zehn Jahren völlig identisch sind. Das heißt, das Kultiv ar, die Pflanze dahinter muss völlig identisch bleiben.

Das macht es auch so teuer. Und in dem Freizeitmarkt geht es so ein bisschen darum. Na ja, dann habe ich halt, nehme ich halt auch mal Cannabis geht mir ganz gut, aber da habe ich halt ganz unterschiedliche Wirkungen. Und das ist das, was wir nicht brauchen. Und von der Welt glaube ich, dass dieser Medizinsektor immer Arzt verschrieben bleiben sollte, immer unter Kontrolle bleiben sollte.

Damit hat kann am Usus betrieben wird und vor allen Dingen damit man mit vielen kleinen Handgriffen schafft man das auch die Therapie dann quasi also noch nicht bei den kleinsten Nebenwirkungen gleich aufgibt, sondern einfach vielleicht die Zusammensetzung der Rezeptur verändert. Aber das sind dann schon so Feinheiten. Das ist glaube ich zu viel verlangt. Wenn das der Patient selber macht.

Wenn man ehrlich ist, gibt es auch unter uns Ärzten ja kaum wirkliche Spezialisten. Also wir alle sammeln Erfahrungen jetzt mit dem Patienten, aber es ist trotzdem immer noch eine relative Nische. Und auch die Studienlage ist relativ schwierig zu beurteilen, weil es bei Schmerzpatienten generell immer schwierig zu beurteilen ist. Es gibt ganz wenig gute Studien über Schmerzpatienten, weil ja alles eine Rolle spielt die Psychosomatik.

Wie geht es einem gerade, wie ist der Patient, wie ist die Erkrankung? Ja selten eine stabile Erkrankung, also hat auch mal Auf und ABS und das macht es immer schwierig, das auch gut validiert zu zu untersuchen und das sieht man auch beim Cannabis, dass es quasi in die sich nicht nachsteht im Vergleich zu den Opiaten von der Welt an Stellenwert und sollte aber wie gesagt ärztlich kontrolliert werden.

Was ich immer noch so ein bisschen. Was ich tatsächlich dabei auch spannend finde, ist das glaube ich die Krankenkassen uns also dass dieses Umdenken muss bei den Krankenkassen noch passieren. Also dass wir das tatsächlich jetzt nicht so nonchalant jedem geben, sondern dass wir tatsächlich uns das gut überlegen, weil ich finde nach wie vor, diese Hürde bei der Krankenkasse ist eine Katastrophe.

Das muss besser werden, muss viel besser werden. Dass wir das viel freier entscheiden können und von den Kosten ja klar ist eine teure Medizin, teures Präparat gibt viele Präparate, aber es muss trotzdem irgendwie ärztlich entschieden werden, was man nimmt und wann es sinnvoll ist. Und von der Warte wäre es schön, wenn sie auch tatsächlich, wenn die Krankenkassen sich dem einfach so ein bisschen so das, was wir jetzt ja auch machen, tatsächlich da auch mal ein bisschen mit einsteigen würden, weil dann würden die das auch sehen, dass es eben nicht nur.

Kiffen auf Rezept ist, sondern deutlich mehr. Ganz unterschiedlich, ehrlich gesagt, wir haben so zwei Gruppen. Wir haben einmal unsere Älteren, wo ich das sehr gerne einsetze. Ehrlich gesagt, die kommen meist. Also wenn wir das nicht vorschlagen, die sind in der Regel immer offen. Also sie sagen schon, ich würde es mal ausprobieren, alles, was irgendwie hilft. Also man hat ja immer noch so diesen pflanzlichen Charakter, deswegen haben die das immer noch so ein bisschen im Kopf, dass es weniger schädlich als Opiate von der Warte hilft es dann schon mal ganz gut.

Die sind eigentlich ganz offen, die haben machen sich wenig Sorgen. Häufig kommen sie mit Empfehlung der Kinder, dass die Kinder sagen Probier mal Cannabis, ich hab da was gehört. Da haben wir dann gar keine Probleme. In der Regel schlagen wir das aber dann auch vor. Es ist selten so, dass die älteren Patienten zu uns kommen und sagen Ich hab das mal gehört, ich will das gerne haben.

Anders bei den Jüngeren, also Jüngeren, heißt was weiß ich arbeitsfähig, also so bis zum 16 bis 50 Jahre. Und das ist häufig so, dass die sich damit belesen haben, ziemlich informiert sind, vielleicht auch schon mal was ausprobiert haben und gesagt hat, dass es gut funktioniert. Und die kommen dann ganz konkret mit dem Vorschlag Können wir nicht mal Cannabis ausprobieren, wo wir dann einfach die Indikationsstellung strikt überprüfen.

Ganz viel ablehnen muss man ganz ehrlich sagen. Viele sind einfach, haben die Standardtherapie nicht erfüllt, haben einfach Es gibt einfach viele Alternativen. Ist vielleicht die Kausalkette auch noch nicht voll geklärt? Kausalkette heißt immer, dass man vielleicht noch die Ursache der Schmerzen in so einer Art und Weise behandeln kann. Und das sind dann quasi gar keine Kandidaten für Cannabis.

Da haben wir da auch. In der Regel sind es aber alle dem eher offen, also gehen dem Gegenüber offen damit um und von der Welt hat man dann muss man so ein bisschen über Fahrtüchtigkeit. Arbeitsfähigkeit sind immer Themen, die aufploppen. Gerade bei jüngeren Patienten, wo man ja auch sagen muss, dass alles, was unabhängig vom Blütenmarkt ist, sondern mehr die voll Extrakt, da es ja die Fahrtüchtigkeit quasi auch gegeben, wenn stabil eingestellt ist.

Diese Ängste kann man nehmen und eigentlich haben wir keine Probleme, die Patienten dahin zu bekommen. Wir haben sehr selten Patienten, die sagen, sie wollen das nicht. Voll Extrakt kann man tatsächlich einsetzen wie Retardpräparate, das heißt langsam wirkende Medikamente, die über einen gewissen Zeitraum mehrere Stunden ihre Wirkstoff abgeben. So ist es dann ähnlich wie eine Tabletteneinnahme. Bei den Cannabisblüten ist es so Wir haben relativ schnell eine sehr hohe THC Konzentration, die auch einen High Gefühl macht, die natürlich dadurch auch, dass die Potenz hat, Schmerzen tatsächlich schlagartig zu unterdrücken.

Hat aber dann immer das Problem, dass ich quasi die Psychoaktivität habe. Die Wirkung ist relativ kurz. Drei Stunden, dann lässt es wieder deutlich nach, sodass man immer so ein Auf und Ab hat. Und das ist eigentlich das, was wir einer Schmerztherapie nicht wollen. Wir wollen eine stabile Medikation, von der, was sich ganz klar sollte voll Extrakte oder rein Substanzen als Extrakte sollte sicherlich, ich will mal sagen der STANDARD werden.

Ich glaube, die Zukunft wird daran liegen, dass wir die Patienten auf einen Extrakt einstellen und dann die Cannabis Blüten bei zum Beispiel Tumorschmerz, Durchbruch, Schmerz als Bedarf obendrauf setzen. Das was wir bei mit Opiattherapie auch machen retardierte Präparate und obendrauf eine Bedarfsmedikation. Es ist gar nicht so einfach. Ich will mal sagen zum Beispiel der Blütenmarkt ist extrem vielfältig, wie wir wissen, gar nicht so richtig als Ärzte, welche Blüte man bei was.

Also wir versuchen es immer zu deklar, also so ein bisschen zu klassifizieren, dass man man hat halt Blüten, die besonders sedieren wirken. Wir haben Blüten, die eher aktivierend wirken und da müsste es eigentlich so ein Register geben, dass man das irgendwie besser zuordnen kann. Wir haben ja sehr viel aus dem Freizeitmarkt tatsächlich, die Erfahrungen kommen aus dem Freizeitmarkt, die quasi alle Blüten irgendwie zuordnen können.

Wir müssen so ein bisschen mehr in das Spektrum hineinsteigen, dass wir quasi die Blüten noch mehr nach individuellen Wirkungen anpassen. Also wer hat mehr Schlafstörungen? Wir hatten ja eine Antriebsproblematik, Wer braucht es zum Runterkommen, Wer braucht es quasi, damit der Morgen überhaupt in die Gänge kommt? Wer braucht diesen anti entzündlichen Part? Da wäre es schön, wenn man in die Richtung noch deutlich mehr.

Also dass einfach die Präparate übersichtlicher werden. Das ist sicherlich im Moment noch ein Problem, was ein Problem ist. Nach wie vor. Ich finde, die Geruchsbelastung ist für Cannabis eine Katastrophe. Also ich finde das hat nichts mit Medikamenten, die man stigmatisiert. Die Patienten das keiner findet das schön als Patient diesen Cannabis Hauch um sich rum zu haben. Und ich finde da wäre es schön wenn wir Präparate kriegen wo die man inhalieren kann, die eben nicht geruchs auffällig sind.

Also schön wäre auch, wenn das nicht so ein riesen apparative Aufwand ist, sondern wir wollen ja nicht, die sollen ja nicht rauchen in dem Sinn, das versuchen wir zu vermeiden. Wenn, dann inhalieren hier, dass man das irgendwie noch so hinbekommt, dass es ähnlich wie so ein Vaporizer ganz klein ohne Geruchsbelästigung. Das wäre schön, wenn wir da hinkommen würden, dass das voll Extrakte sind, gut, voll Extrakt als Tropfen sind gut da.

Also das kann man gut einnehmen, das ist für die Patienten völlig komfortabel. Das hat auch keine Geruchsbelastung, das ist entspannt und der Weg der Verschreibung muss halt einfacher werden. Es muss klar sein, wenn ich einen Patienten habe, der möchte Cannabis oder das ist ein Kandidat für Cannabis und ich bestimmt. Also ich sehe das auch so, da möchte ich es auch verschreiben können, ohne welche Hürden.

Ich möchte keine administrativen Hürden haben. Ich möchte keine Apotheken haben, die dann quasi auch anfangen zu diskutieren, weil sie es ja bestellen müssen, sondern es muss klar sein, dass es funktioniert und auch dauerhaft funktioniert. Das wäre so ein bisschen der Wunsch, dass wir da irgendwie hinkommen. Wir stigmatisieren Patient nicht mehr, es ist wird irgendwann nur noch als Medikament wahrgenommen.

Es ist ja jetzt schon so, wenn man ehrlich ist. Wir haben schnell wirksame Opiate, die wir über Nasenspray verabreichen. Das ist ja nichts anderes. Nachher, wenn man das mit als Cannabis nimmt, auch über nehmen würden, denselben Stellenwert erreichen würden, dann wäre es auch in der. Ich will mal sagen in der Bevölkerung und unter den oder den Patienten oder den Ärzten ist es quasi, also es sind dieselben Darreichungsformen, es gibt quasi wird es ganz normal als Medikament wahrgenommen und verliert so ein bisschen diesen Mythos Droge.

Und wenn wir das erreicht haben, dann ist es glaube ich einfach. Und dann werden wir die 30 %, die ich am Anfang immer erwähnt habe, wenn wir die kriegen, die wirklich so begeistert sind, wenn wir die alle eingestellt kriegen, dann haben, glaube ich, extrem viel erreicht für die Patienten. Schön wär's, aber ich glaube, es gibt kein wirkliches Medikament, was richtig heilt.

Ich glaube, was wir schaffen können. Wir können. Wir können dem Körper vielleicht ein bisschen Zeit geben und so ein bisschen die Selbstheilungskräfte unterstützen. Und das geht, glaube ich, aber für alle Medikamente. Ich glaube auch jetzt, ein Antibiotikum heilt primär nicht, sondern unterstützt den Körper, das ja quasi die Abwehrkräfte, dass er quasi die Erreger bekämpfen kann und von der Warte ist wahr kann Cannabis durchaus Schmerzpatienten vielleicht nicht heilen, aber zumindest gut symptomkontrolliert und arbeitsfähig und in einer guten Lebensqualität quasi.

Die kann es zurückgeben. Und von der Heilung ist immer schwierig zu beurteilen. Ehrlich gesagt, ein Knochen kann heilen. Vielleicht. Aber das tut er auch alleine. Das tut er nicht durch uns, wenn man ehrlich ist. Wir können unterstützen.

Die Herausforderungen der klassischen Schmerztherapie

Chronische Schmerzen sind ein komplexes Phänomen. Sie entstehen oft durch Erkrankungen wie Arthrose, Bandscheibenvorfälle, Migräne oder auch als Begleitsymptom bei ADHS. Die Standardtherapie setzt meist auf eine Kombination aus Schmerzmitteln, Antidepressiva, Antikonvulsiva und manchmal auch Opiaten. Dr. Giesel schildert:

„Viele meiner Patient:innen haben einen langen Weg hinter sich. Sie haben verschiedene Medikamente ausprobiert, oft mit wenig Erfolg oder erheblichen Nebenwirkungen. Besonders problematisch sind die klassischen Opioide – sie machen müde, antriebslos und können zu einer echten Abhängigkeit führen. Die Lebensqualität leidet massiv.“

Opioide und andere starke Schmerzmittel wirken dämpfend auf das zentrale Nervensystem. Sie können zwar Schmerzen lindern, führen aber häufig zu einer Vielzahl von Nebenwirkungen:

  • Müdigkeit und Konzentrationsstörungen
  • Verstopfung und Übelkeit
  • Emotionale Abstumpfung
  • Abhängigkeit und Toleranzentwicklung

Gerade bei Patient:innen mit ADHS, die ohnehin mit Konzentrationsproblemen und innerer Unruhe kämpfen, verschärfen diese Nebenwirkungen oft die bestehenden Symptome. Viele berichten, dass sie sich mit den klassischen Medikamenten „wie im Nebel“ fühlen und ihren Alltag kaum noch bewältigen können.

ADHS im Erwachsenenalter: Symptome und Grenzen der Medikation

ADHS wird oft als Kinder- oder Jugendkrankheit wahrgenommen, doch sie begleitet viele Menschen ein Leben lang. Erwachsene mit ADHS leiden unter Konzentrationsstörungen, innerer Unruhe, Impulsivität und häufig auch unter chronischen Schmerzen. Die klassische Therapie setzt auf Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetamin-Derivate. Doch auch hier sind Nebenwirkungen wie Herzrasen, Schlaflosigkeit, Appetitverlust und emotionale Dämpfung häufig.

Dr. Giesel erklärt:„Nicht alle Patient:innen vertragen die klassischen ADHS-Medikamente. Manche erleben eine regelrechte Wesensveränderung, fühlen sich nicht mehr wie sie selbst oder entwickeln zusätzliche psychische Probleme wie Depressionen oder Ängste. Die Suche nach einer passenden Therapie ist für viele ein langer, frustrierender Prozess.“

Medizinalcannabis: Eine neue Option in der Therapie

Im Zuge der Liberalisierung und zunehmenden Forschung wird Medizinalcannabis immer häufiger als Therapieoption diskutiert. Für viele Patient:innen mit chronischen Schmerzen und/oder ADHS eröffnet sich damit ein neuer Weg – insbesondere, wenn andere Medikamente versagen oder zu starke Nebenwirkungen verursachen.

Dr. Giesel berichtet aus seiner Praxis:„Cannabis ist kein Allheilmittel, aber für viele Patient:innen eine echte Chance. Es kann Schmerzen lindern, die innere Unruhe bei ADHS mildern und die Lebensqualität spürbar steigern. Entscheidend ist die individuelle Einstellung der Therapie und die enge ärztliche Begleitung.“

Wie wirkt Medizinalcannabis?

Die wichtigsten Wirkstoffe im Cannabis sind THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol). Beide Substanzen wirken auf das körpereigene Endocannabinoid-System, das an der Regulation von Schmerz, Stimmung, Aufmerksamkeit und Schlaf beteiligt ist.

  • THC wirkt schmerzlindernd, entspannend und kann die Stimmung heben.
  • CBD wirkt angstlösend, entzündungshemmend und kann die Wirkung von THC abmildern.

Je nach Krankheitsbild und individuellen Bedürfnissen werden verschiedene Sorten und Darreichungsformen (Blüten, Extrakte, Öle) eingesetzt. Die Dosierung erfolgt immer individuell und wird im Verlauf angepasst.

Vorteile von Medizinalcannabis gegenüber klassischen Schmerzmitteln und Opioiden

1. Weniger Nebenwirkungen

Viele Patient:innen berichten, dass sie unter Cannabistherapie deutlich weniger Nebenwirkungen erleben als unter Opioiden oder klassischen Psychopharmaka. Müdigkeit, Verstopfung oder emotionale Abstumpfung treten seltener auf. Die meisten Nebenwirkungen von Cannabis – wie Mundtrockenheit, leichte Müdigkeit oder kurzfristige Appetitsteigerung – sind mild und vorübergehend.

2. Geringeres Risiko für Abhängigkeit

Während Opioide ein hohes Abhängigkeits- und Missbrauchspotenzial haben, ist das Risiko bei Medizinalcannabis deutlich geringer. Dr. Giesel betont:„Natürlich kann auch Cannabis missbraucht werden, aber bei medizinischer Anwendung unter ärztlicher Kontrolle ist das Risiko überschaubar. Viele Patient:innen berichten sogar, dass sie dank Cannabis andere Medikamente – insbesondere Opioide – reduzieren oder ganz absetzen konnten.“

3. Verbesserung der Lebensqualität

Der vielleicht größte Vorteil: Viele Patient:innen gewinnen durch die Cannabistherapie ein Stück Lebensqualität zurück. Sie fühlen sich wacher, motivierter und können wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.Ein Patient berichtet:„Ich kann wieder mit meinen Kindern spielen, habe Freude an alltäglichen Dingen und bin nicht mehr ständig von Müdigkeit oder Schmerzen geplagt.“

Erfahrungsberichte: Wege aus der Sackgasse

Dr. Giesel schildert eindrucksvolle Fälle aus seiner Praxis. Viele Patient:innen kommen nach Jahren erfolgloser Therapie und mit großer Skepsis. Die ersten Wochen der Cannabistherapie sind oft von Unsicherheit geprägt – wie wirkt das Medikament? Was werden Freunde, Familie oder Arbeitgeber sagen?

Eine Patientin mit ADHS und chronischen Kopfschmerzen berichtet:„Ich hatte täglich Kopfschmerzen und habe verschiedene Medikamente ausprobiert. Mit Medikinet bekam ich Herzrhythmusstörungen, Opioide haben mich nur müde gemacht. Erst durch die Cannabistherapie haben die Schmerzen nachgelassen, und ich fühle mich endlich wieder klar im Kopf.“

Ein anderer Patient, der jahrelang unter Rückenschmerzen und ADHS litt, erzählt:„Ich habe alle gängigen Schmerzmittel ausprobiert, aber nichts hat geholfen. Unter Cannabis bin ich entspannter, kann besser schlafen und bin tagsüber konzentrierter. Die Nebenwirkungen sind minimal.“

Die Rolle der ärztlichen Begleitung

Eine erfolgreiche Cannabistherapie erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Patient:in und Ärzt:in. Dr. Giesel betont:„Das Erstgespräch ist entscheidend. Ich nehme mir viel Zeit, um die individuelle Situation, die bisherigen Therapieversuche und die Erwartungen an die Cannabistherapie zu verstehen. Nur so kann ich gemeinsam mit dem Patienten die richtige Sorte und Dosierung finden.“

Regelmäßige Kontrolltermine, eine offene Kommunikation über Wirkung und Nebenwirkungen sowie die Bereitschaft, die Therapie flexibel anzupassen, sind unerlässlich. Die Therapie mit Medizinalcannabis ist kein statischer Prozess, sondern ein Weg, der gemeinsam gegangen wird.

Ganzheitlicher Ansatz: Mehr als nur ein Medikament

Dr. Giesel sieht Medizinalcannabis als Teil eines umfassenden Therapiekonzepts. Neben der medikamentösen Behandlung spielen auch psychotherapeutische Maßnahmen, Entspannungstechniken und eine strukturierte Alltagsgestaltung eine wichtige Rolle – sowohl bei chronischen Schmerzen als auch bei ADHS.

„Cannabis kann helfen, Symptome zu lindern und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu verbessern, wenn die Therapie individuell abgestimmt und kontinuierlich begleitet wird. Entscheidend ist, dass Patient:innen nicht allein gelassen werden, sondern ein Netzwerk aus Ärzt:innen, Therapeut:innen und Apotheker:innen sie unterstützt.“

Stigmatisierung und gesellschaftliche Herausforderungen

Trotz wachsender Akzeptanz gibt es noch immer viele Vorurteile gegenüber Medizinalcannabis – sowohl im privaten Umfeld als auch im Gesundheitssystem. Patient:innen berichten von Skepsis, Unverständnis oder gar Ablehnung durch Ärzt:innen, Therapeut:innen oder Arbeitgeber.

Dr. Giesel plädiert für mehr Offenheit und Aufklärung:„Cannabis als Medikament ist nicht gleichzusetzen mit Freizeitkonsum. Entscheidend ist die ärztliche Begleitung, die richtige Dosierung und eine verantwortungsvolle Anwendung. Nur so können wir das Stigma abbauen und Patient:innen die Therapie ermöglichen, die sie brauchen.“

Herausforderungen im Alltag: Arbeit, Familie und Selbstbild

Viele Patient:innen stehen vor der Herausforderung, ihre Cannabistherapie im Alltag zu integrieren. Besonders im Berufsleben – vor allem in konservativen Branchen – ist die Offenheit für das Thema oft gering. Manche entscheiden sich, ihre Medikation zu verschweigen, um Vorurteilen und Nachteilen aus dem Weg zu gehen.

Auch im Familien- und Freundeskreis gibt es häufig Unsicherheiten. Dr. Giesel empfiehlt, offen über die Therapie zu sprechen, aber auch die eigenen Grenzen zu wahren.„Es ist wichtig, sich nicht zu rechtfertigen, sondern sachlich über die Vorteile und die medizinische Notwendigkeit der Therapie zu informieren.“

Wissenschaftlicher Hintergrund und aktuelle Studien

Die Forschung zu Medizinalcannabis bei chronischen Schmerzen und ADHS steckt noch in den Kinderschuhen, zeigt aber vielversprechende Ergebnisse. Studien deuten darauf hin, dass Cannabis bei vielen Patient:innen die Schmerzintensität senken, die Schlafqualität verbessern und die Lebensqualität steigern kann. Auch bei ADHS gibt es Hinweise auf eine Reduktion von Impulsivität, Unruhe und Konzentrationsproblemen.

Wichtig ist die individuelle Dosierung und die kontinuierliche ärztliche Begleitung, um Nebenwirkungen zu minimieren und die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.

Interne Verlinkung

Viele Patient:innen mit ADHS berichten auch von Schlafproblemen. Weitere Informationen finden sich auf schlafstoerung-cannabis.de.

Fazit

Chronische Schmerzen und ADHS stellen Patient:innen und Behandelnde vor große Herausforderungen. Die klassische Schmerztherapie mit Opioiden und anderen starken Medikamenten ist oft mit erheblichen Nebenwirkungen und Risiken verbunden. Medizinalcannabis bietet für viele eine wertvolle Alternative: weniger Nebenwirkungen, geringeres Abhängigkeitsrisiko und eine spürbare Verbesserung der Lebensqualität.

Dr. Giesel betont:„Die Therapie mit Medizinalcannabis ist kein Allheilmittel, aber sie eröffnet neue Perspektiven für Patient:innen, die mit klassischen Therapien nicht zurechtkommen. Entscheidend sind die individuelle Einstellung, die enge ärztliche Begleitung und ein ganzheitlicher Ansatz, der den Menschen in den Mittelpunkt stellt."

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Häufig gestellte Fragen

Die häufigsten Nebenwirkungen sind u. a. anfängliche Müdigkeit, Schwindel oder trockener Mund.6 Die meisten Nebenwirkungen treten zu Beginn der Therapie auf und lassen mit der Zeit nach. Durch eine ärztliche Begleitung und individuelle Dosierung können die Nebenwirkungen minimiert werden. Bei Unsicherheiten sprechen Sie bitte mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin.

6 Bar-Lev Schleider L, Mechoulam R, Sikorin I, Naftali T, Novack V. Adherence, Safety, and Effectiveness of Medical Cannabis and Epidemiological Characteristics of the Patient Population: A Prospective Study. Front Med (Lausanne). 2022 Feb 9;9:827849. doi: 10.3389/fmed.2022.827849.

Die Kosten können mehrere hundert Euro monatlich betragen. Krankenkassen übernehmen Kosten, wenn ADHS als schwerwiegend gilt und andere Therapien versagt haben. Bei ADHS ist es schwierig, aber nicht unmöglich – bei Ablehnung können Sie Widerspruch einlegen.

Es gibt verschiedene Darreichungsformen von Medizinalcannabis, wie die Inhalation oder die orale Aufnahme über Öle oder Kapseln. Ihr Arzt/ihre Ärztin erstellt einen individuellen Therapieplan für Sie. Auch die Dosierung wird im Therapieverlauf auf sie eingestellt. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt/ihrer Ärztin, welche Form am besten für Sie geeignet ist.

In Foren und Selbsthilfegruppen teilen viele ihre Erfahrungen. Die Berichte sind sehr unterschiedlich – manche profitieren deutlich, andere weniger. Besonders bei Unruhe und Schlafproblemen zeigen sich oft positive Effekte. Jeder Mensch reagiert anders. Lesen Sie hier Beiträge von ADHS PatientInnen, die von ihren Erfahrungen berichten.

Patient:innen mit ADHS berichten von weniger Nebenwirkungen als mit konventionellen ADHS-Medikamenten. Einige berichten von einer positiven Wirkung auf Symptome wie Hyperaktivität und Impulsivität unter Medizinalcannabis.7

7 Stueber A, Cuttler C. Self-Reported Effects of Cannabis on ADHD Symptoms, ADHD Medication Side Effects, and ADHD-Related Executive Dysfunction. J Atten Disord. 2022 Apr;26(6):942-955. doi: 10.1177/10870547211050949. Epub 2021 Oct 11. PMID: 34632827.